Gastbeitrag von Marc Niedermeier
Ein Mitglied der Rhöner Drachen- und Gleitschirmflieger (RDG Poppenhausen e. V.) hat einen außergewöhnlichen Streckenflug absolviert: Markus "Sunny" Börner (56) aus dem Taunus startete an seinem Heimatflugberg, der Wasserkuppe, und landete 8 Stunden und 39 Minuten später nahe des Großen Arbers im Bayerischen Wald - 276,25 Kilometer entfernt und ganz ohne Motor.
Was als Teamflug zu fünft begann, setzte Börner nach gut vier Stunden allein fort. Am Ende standen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,82 km/h und eine maximale Flughöhe von 2.376 Metern zu Buche.
Angetrieben wurde der Flug ausschließlich durch Thermik - aufsteigende warme Luft, die Gleitschirmpiloten als Energiequelle dient.
Thermik macht lange Flüge möglich
Thermische Aufwinde entstehen, wenn sich der Boden erwärmt und warme Luft aufsteigt. Die in den vergangenen Jahren häufiger auftretenden stabilen Hochdruck- und Hitzeperioden ermöglichen dabei immer öfter außergewöhnlich lange Streckenflüge.
Was aus klimatologischer Sicht Anlass zur Sorge gibt, eröffnet Flugsportlern an einzelnen Tagen besondere Möglichkeiten.
In meist zwischen 1.500 und 2.300 Metern Höhe flog Börner entlang der Quellwolken von einem Aufwind zum nächsten.
An der Wolkenbasis herrschten trotz Hochsommer Temperaturen um den Gefrierpunkt; zeitweise fielen dadurch sogar Instrumente aus, sodass der Pilot verstärkt auf Erfahrung und Wettergefühl angewiesen war.
Herzlicher Empfang nach einem langen Flug
Von der Wasserkuppe ging es über Bad Neustadt, Bamberg, Weiden in der Oberpfalz und weiter bis zum Großen Arber.
Die Mitglieder des Lohberger Trachtenvereins unterbrachen ihre Probe und bereiteten dem gerade gelandeten Flugsportler einen herzlichen Empfang mit Schuhplattler, Verpflegung und Landebier.
Sie kümmerten sich um eine Unterkunft und brachten Börner am nächsten Tag zum Bahnhof.
Zehn Jahre nach den ersten Flügen
Für Börner hatte der Flug einen persönlichen Bezug: Fast auf den Tag genau zehn Jahre zuvor hatte er am Westhang der Wasserkuppe seine ersten Ausbildungsflüge absolviert. Vom selben Startplatz ging es nun fast 300 Kilometer weit.
Streckenfliegen sei dabei weit mehr als entspanntes Gleiten - über Erfolg oder frühe Landung entschieden Wetterwissen, Taktik, Konzentration, fliegerisches Können und eine fundierte Ausbildung.
Sicherer als sein Ruf
Auf der Wasserkuppe wird seit 1987 Gleitschirm geflogen. Die Rhöner Drachen- und Gleitschirmflieger zählen rund 1.100 Mitglieder und sind - wie Fußball-, Handball- oder Leichtathletikvereine - Mitglied im Landessportbund Hessen.
Trotz des intensiven Flugbetriebs gab es in der Vereinsgeschichte auf der Wasserkuppe bislang keinen tödlichen Gleitschirmunfall.
Auch für die kommenden Tage verspricht die Flugwetterprognose gute Bedingungen für weite Flüge.









